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Schabbaton in Berlin in einer jüdischen Atmosphäre PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Jewgenij   
Sonntag, 01. März 2009 um 23:01
Berlin November 2008

Schabbat in Berlin mit der Lauder Foundation: als sich mir diese Möglichkeit über einen Freund eröffnete, zögerte ich kaum. Berlin als jüdische Stadt war mir leider bisher kaum bekannt. Kurt Tucholsky, Rose Ausländer, Mascha Kaleko sind Schriftsteller, die vom jüdischen Berlin gelebt haben. Leider aber beschränkten sich meine Erfahrungen bisher auf Synagogenfassaden, das jüdische Museum und das Holocaust Denkmal, aber das heutige jüdische Leben, welches in Berlin pulsiert, habe ich bisher noch nicht erleben können. Die Chance also jüdische Jugendliche aus Berlin und ganz Deutschland kennen zu lernen, und vor allem an den anspruchsvollen Schiurim teilnehmen zu können, konnte ich mir nicht entgehen lassen. Ich habe also die Möglichkeit das jüdische Berlin von Innen kennen zu lernen mir nicht entgehen lassen wollen.


Es gibt wenige Orte an denen man traditioneller jüdischer Kultur so nahe kommen kann und von ihr lernen kann, und das macht Berlin mit der Vielzahl der jüdischen Gemeinden, den Menschen und den jüdischen Identitäten aus. In Berlin habe ich eben diese wertvolle Symbiose zwischen familiärer Gemütlichkeit, Religiosität, geistigem Niveau und offener Menschlichkeit gefunden, die ich leider in anderen Gemeinden vermisse. Doch genau das wäre der jüdische Identität zuträglich und würde diese in die Welt hineintragen.

Ich habe in Berlin viele interessante Persönlichkeiten kennen gelernt, die mich geprägt haben und deren Lebensauffassung ich beeindruckend empfinde. Der Besuch in Berlin mich in meiner eigenen Identität gefestigt, mir neue Horizonte aufgezeigt und Möglichkeit gegeben mich kulturell zu bereichern. Auch die Freundschaften die ich aus Berlin mitgenommen habe, hätte ich in meiner Heimatstadt niemals knüpfen können. Doch ohne Gleichgesinnte würde das Judentum aus dem Lebensalltag verschwinden in dem es sich befinden sollte.

Die Erfahrungen aus Berlin haben mir gezeigt, dass jüdische Tradition und moderne Welt sich nicht ausschließen, dass sie sich ergänzen und ein erfülltes Leben ermöglichen.

 

Comments
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Roland  - Berlin, Berlin ...   |131.220.116.xxx |2009-07-16 18:27:37
Ich war auch in Berlin. Ist schon ein paar Tage her. Und gehe in eine orthodoxe
Synagoge. Da geh' ich einfach rein, das wars. Die Frauen sitzen hinten hinter
einem Rautengitter. Der G'ttesdienst ist recht locker, die Kerle wandern hin und
her, halten zwischendrin ein Schwätzchen, während andere weiterbeten. Nach den
Frauen habe ich lieber nicht allzu bemerkbar geschaut. Meine Ohren behaupten
aber, da wurde auch geschwatzt. Ich bin dort völlig unbekannt, werde aber
behandelt, als kennen alle mich bereits seit Jahren. Daß ich offensichtlich
keine Ahnung von nichts habe und auch nicht mitbeten kann stört keinen. Fragen
werden freundlich und kompetent beantwortet. Nachher gibts gemeinsames Essen.
Ein offensichtlicher Landstreicher ist auch dabei, aber er gehört genau so -
keinen Deut mehr oder weniger als die Krawattenträger - dazu wie ich und alle

Offensichtlich fasst der Editor nicht mehr, Fortsetzung im nächsten
Ko...
Roland   |131.220.116.xxx |2009-07-16 18:31:11
anderen auch. Man dutzt sich. Die Gespräche ergeben eine beeindruckende
Tiefgläubigkeit, aber keinen Deut von Engstirnigkeit. Shalom.

Nächsten
Schabbat gehe ich in eine liberale Synagoge. Als erstes eine Polizeiblockade.
Ich zeige meinen Pass, hektisches Telefonieren, warten. Ich darf trotzdem rein.
Man sitzt in Bänken. Keiner regt sich oder sagt was. Ich bin wieder unbekannt -
nur, daß keiner auch nur grüßt. Die Frauen sitzen zwar nicht hinten sondern
links, aber ansonsten hätte der G'ttesdienst auch von einem Militärausbilder
organisiert sein können. Die Gespräche auch nach dem G'di seeehr gedämpft und
in strikt geschlossenen Zirkeln. Wo ich mich einfach dazustelle irritierte
Blicke. Benehme ich mich irgendwie nicht gaaanz korrekt, ist die Grenze des
kleinen Karos offensichtlich schnell erreicht - was ich nicht daran messe, daß
man mich dararuf aufmerksam macht, sondern wie. Fragen, ob ich mich
Roland   |131.220.116.xxx |2009-07-16 18:29:25
eventuell nicht recht auskenne mit jüdischem Leben muss niemand: Wozu auch?
Weiterhelfen? Erklären? Quatsch! Mufflig zurechtrüffeln reicht offensichtlich
völlig aus, um die Anforderungen an die Gemeinschaft in einem G'tteshaus zu
erfüllen.

Schließlich finde ich doch zwei nette Leute. Die unterhalten sich
fröhlich, aufgeschlossen und locker mit mir, mahnen mich aber immer wieder, nur
nicht aufzufallen damit.

Was darf ich jetzt daraus lernen? Wer sich schon
selber liberal nennt ... würde ich am liebsten sagen. Und: Sieh an, die
Vorurteile. Gibts andere Erfahrungen?

Roland

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