Tikun Olam - Um die Welt zu verbessern beginnen wir mit uns
„You never know ..." erzählt Awi Blumenfeld, der ehemalige Münchener aus Tel Aviv, Schlomo Carlebachs wahre Geschichte vom „Joe, dem Priester und Jossel, dem Geizhals" beim Oneg
Schabbat am Freitagabend. Das Seminar begann mit dem Schabbateingang am Freitag um 17.25 und soll bis zum Mittagessen am Sonntag dauern. Rund 100 junge Erwachsene, Studenten und Werktätige sind nach Köln gekommen um die Geschichte zu verändern und ihre Leben mit mehr jüdischem Wissen, Gefühlen und Verantwortung zu füllen. Das Thema lautet „Tikun Olam", Verbesserung der Welt, nur eine der möglichen Übersetzungen dieses Begriffs, der eine jüdische Pflicht darstellt.
Dieses Thema klingt gewaltig, fast populistisch, wie ein Zentralangriff auf die Probleme der Welt. Zwar leben wir im Jahr von Barak Obama und der Hoffnung endlich alles aus eigener Kraft wenden zu können, andererseits stehen wir vor Herausforderungen wie der Finanzkrise, die uns erzittern lassen. Wären wir nicht froh, wenn es einfach nur an uns vorüberzieht, uns irgendwie verschont?
Dass die Probleme zahlreich sind, ist wahrlich keine Neuigkeit für uns, doch wer diese Probleme lösen kann, wer diesen Tikun für die Welt bringen kann, dies hat das Seminar deutlich gemacht: Wir
Der Tikun ist überall zu erhalten, auf viele Arten möglich, für viele greifbar. Einst jedoch ist die Voraussetzung dafür: Die Beschäftigung damit, Aktivität, das Verstehen und verstehen Wollen seiner Selbst. Bildung und Engagement, diese zeigten die Teilnehmer von Beginn an und so wurde das Wochenende ein voller Erfolg. Die Beteiligung war rege, die Programme interaktiv, abwechslungsreich und vor allem gehaltvoll und gut vorbereitet. Vielleicht ist das eine weitere Erfolgsformel für gute Seminare.
Dieses war jedoch ein sehr gutes Seminar, ob von der Seite der tadellosen Organisation des Tagesablaufs, Essens, der Reihenfolge der Themen oder der Seite der Atmosphäre, welche freundlich, locker, humorvoll und spirituell erfüllend war. Samstagabend gab Naftali Abramson aus Jeruschalaim ein Konzert zu dem auch Nichtteilnehmer aus NRW anreisten. Naftali, ein berühmter Rocksänger in Israel war auch während des Schabbats eine Quelle der Inspiration für uns Teilnehmer.
Das Seminar ist die Fortsetzung der erfolgreichen Reihe von Seminaren der „drei Rabinner" (dieser Begriff hat sich schon etabliert), Rav Apel aus Dortmund, Rav Engelmayer aus Köln und Rav Soussan aus Düsseldorf. Dieses ist bereits das fünfte, dabei das größte und das erfolgreichste. Diese Tendenz soll bei weiteren Seminaren fortgesetzt werden. Zur Unterstützung, oder sollte man eher sagen, als Identifikationsfigur und 24-stündliches Gesicht des Seminars, war der Dozent aus Tel Aviv, Awi Blumenfeld dabei, der seit Jahren treu der talmudischen Weisheit: Mehr als das Junge trinken möchte, möchte die Mutterkuh säugen (Pesachim 112a), Seminare in Deutschland unterstützt und führt.
Die Jungen wollen trinken und sie tun selbst etwas. So präsentierte Sophie Mahlo ihr für Deutschland gegründetes Limmud-Projekt welches Anfang Mai (30.4-3.5.09) mit einem riesigen Lernfestival Hunderte Juden jedes Alters in die Nähe von Berlin bringen wird. Ein Anstoßpunkt für sie war die Feststellung auf einem Workshop in Israel, bei dem die Teilnehmer selbst die Vorträger waren, dass sie nur über das jüdische Leben in Deutschland und den Holocaust referieren konnte. Diese Erkenntnis machte sie traurig, denn es gibt so viel mehr zu wissen. Sie startete das Limmud-Projekt, welches seit 28 Jahren in vielen Ländern, als erstes in England, wo es mittlerweile um 2800 Leute an einen Ort bringt, läuft.
Da ist auch Avraham Moische Kissel, ein Medizinstudent aus Düsseldorf, welcher Schabbatprogramme, Lernabende und Studentencafés in Köln und Düsseldorf für Studenten wöchentlich organisiert. Wer glaubt, dass es ihr Beruf, täuscht sich. „Ehrenamtlich" ist schon eine Übertreibung, die Teilnehmer wollen nicht still stehen und sie ergreifen ihre Möglichkeit, anderen und sich zu helfen und zu entwickeln. Das ist Tikun Olam! Es gibt kein Problem, welches uns nicht angeht und zu welchem wir keinen Beitrag leisten können.
Ein Seminar ist nur dann wirklich erfolgreich, wenn man danach nicht nur selbst verändert ist, sondern auch die Taten sich ändern. Das machte Awi Blumenfeld deutlich während er seine Workshops ausführte, und er machte auch deutlich, dass dieses Seminar ihn mit großer Hoffnung erfüllt hat. Denn auch in der Geschichte von „You never know ..." wendet sich das Blatt: Jossel ist der größte Wohltäter der Stadt und Joe, der Bischoff wird wieder zum Juden.
Das Seminar hat wirklich Hoffnung gegeben und dafür allein gebührt den Organisatoren und allen Beteiligten großer Dank. Hoffen wir auch auf ein baldiges nächstes Seminar und noch mehr solcher Veranstaltungen, denn die Nachfrage ist lange nicht erschöpft. Doch bis dahin heißt es auch für uns: Metaken olam ... verbessere (Du) die Welt ...