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Das Schema Yisrael
Von Chana Basya Kanisch
Ich möchte euch von einer Geschichte erzählen, die mich immer wieder mit einer unfassbaren Intensität berührt, wenn ich sie lese oder erzählt bekomme und mich darüber nachdenken lässt, was das Schema Yisrael für mich als Jüdin und für das ganze jüdische Volk eigentlich bedeutet.
Wir schreiben das Jahr 1945. Europa liegt in Schutt und Asche. Die Menschen in der ganzen Welt sind traumatisiert und blicken mit Unverständnis und Resignation auf das, was mit der Befreiung Europas offenbar wurde. Der systematische Mord an dem jüdischen Volk und all die grausamen Details wurden offenbar für die Welt und die Juden, die außerhalb Europas deren schlimmsten Befürchtungen sich bewahrheiteten. Unser Volk überlebte die wohl schlimmste Katastrophe seiner Geschichte seit der Zerstörung des zweiten Tempels im Jahre 70 n.d.Z. und der danach folgenden Verstreuung in alle Richtungen dieser Welt in das 2000 jährige Exil, indem wir uns heute noch immer befinden.
Rabbi Eliezer Silver kam sofort nach Ende des zweiten Weltkriegs nach Polen. Voller G’ttesvertrauen war sich er dazu entschlossen, die Hunderten- wenn nicht gar tausenden
von jüdischen Kindern ausfindig zu machen die von ihren Eltern schweren Herzens und aus lauter Verzweiflung an Nichtjuden im Obhut gegeben wurde, mit der Hoffnung dass mindestens die Kinder den drohenden Tod in den Konzentrations- und Arbeitslagern entgehen können.
Viele der nichtjüdischen Menschen hatten Angst vor den Nazis und ihren Folgern und gaben die jüdische Kinder in katholische Klöster in ganz Europa.
Rabbi Silver wurde die Information gegeben, dass vermutlich 30 jüdische Kinder in einem Kloster bei Krakau versteckt wurden. Er reiste unter dem Schutz der amerikanischen Armee nach Polen. Sein langer Bart und seine rösche, neue Armeeuniform waren ein sonderbarer Anblick in den strikten Augen der Mönche des Krakauer Klosters.
„Ich habe die Nachricht bekommen, dass sich hier jüdische Kinder aufhielten.“ fragte Rabbi Silver.
„Wir haben hier keine jüdischen Kinder“ antwortete Vater Hugo dem es widerstrebte den fremden Mann in das Kloster zu lassen.
„Ich kann alle jüdischen Kinder innerhalb von zwei Minuten ausmachen“ behauptete Rabbi Silver, entschlossen mit welchem Weg auch immer die jüdischen Kinder aus den Fängen des Klosters zu befreien.
„In zwei Minuten? Das ist unmöglich!“ erwiderte Vater Hugo ungläubig „ diese Waisenkinder, die wir in unserem Kloster aufziehen, kamen zu uns als Kleinkinder und es gibt nicht einmal den kleinsten Hinweis darauf, ob sie jüdisch sind oder nicht.
Versuchen sie nur, die jüdischen Kinder zu identifizieren. Wenn es Ihnen gelingen sollte, so können Sie die Kinder mitnehmen!“
Schließlich gelang es Rabbi Silver, den zweifelnden Mönch dazu zu überreden, am folgenden Tag für die Dauer von zwei Minuten zu den Kindern zu sprechen, während diese im Speisesaal ihr ärmliches Mittagessen zu sich nahmen.
Am kommenden Tag stand er im Speisesaal des Klosters zur Zeit des Mittagsessen. Gegenüber von dem Rabbiner waren 100 Kinder die ihn neugierig aber auch mit Misstrauen anstarrten und jeden Schritt verfolgten. Rabbi Silver bemerkte die Blicke der Kinder, schließlich ergriff die Gelegenheit, in der er von allen Kindern Aufmerksamkeit bekam und legte seine rechte Hand auf die Augen und sprach laut mit zitternder Stimme;
„Schema Yisrael HaSchem Elokeinu HaSchem Echad!“
„Höre Oh Israel, der Ewige ist unser G’tt, der Ewige ist einzig!“
Sofort sprangen etwa 30 kleine Kinder auf und begannen bitterlich zu weinen und mit lauter Stimme zu schreien: „Mama, Mama, Mama!“
„Diese Kinder sind jüdische Kinder“ behauptete der Rabbi.
„Sie können die Kinder mitnehmen“ sprach der Priester verwundert und Rabbi Silver versammelte die Kinder und nahm sie auf, versuchte ihnen das zu geben, wozu ihre Eltern nicht mehr fähig waren.
Was Rabbi Silver wusste, und der Priester nicht, dass diese Worte die letzte Erinnerung waren, die diese jüdischen Kinder an ihre Mütter hatten, denen sie so frühzeitig auf eine solch tragische Art und Weise entrissen wurden. Es waren die Worte, die ihnen ihre Mütter jeden Tag nachdem sie aufgestanden waren und bevor sie schlafen gingen mit ihnen zusammen sangen. Es waren die Worte, mit denen unsere Ahnen durch alle Zeitalter der langen Geschichte unseres Volkes und seiner stetigen Verfolgung trotzten, und mit dem Schema Yisrael auf ihren Lippen als Märtyrer starben. Das Schema symbolisiert den ultimativen Glauben eines Juden in den schlimmsten aller Situationen.
Die Worte des Schema Yisrael sind uns den meisten Juden bekannt, egal ob er religiös ist oder nur wenig über seine jüdische Herkunft weiß.
Aber wir wissen wenig darüber, was das Schema Yisrael bedeutet. Was steht in dem Schema Yisrael und warum wird es als das wohl zentralste Gebet im Judentum gesehen?
Das Schema die Deklaration unseres Glaubens, denn er drückt unseren Glauben darin aus, dass es einen G’tt gibt und keine andere Kraft neben Ihm. Es ist das erste Gebet, dass einem Kind beigebracht wird, und es sind dies letzten Worte eines Juden vor seinem Tode. Wir haben die Mitzwa(das Gebot/ die Pflicht) es zweimal am Tag zu sagen, wenn wir am Morgen aufstehen und bevor wir in der Nacht schlafen gehen.
Wir finden die Worte des Schema auf dem Pergament der Mesusa, die an unseren Türen befestigt sind, ebenso sind diese Verse auf Pergamente geschrieben in den Boxen der Tefillin (Gebetsriemen) enthalten, die ein jüdischer Mann beim Morgengebet an seinem Kopf und seinen linken Arm – gegenüber dem Herz - bindet.
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